McArdle-Erkrankung – Glykogenose Typ V
McArdle-Erkrankung - Einleitung
Die McArdle-Erkrankung ist eine Glykogenose, eine Glykogenspeicherkrankheit.
Hierbei wird Glucose (Traubenzucker) in der Muskelfaser zwar zu Glykogen, einem
Speichermolekül der Glukose, aufgebaut. Es kann aber nicht mehr abgebaut werden.
Damit steht es für eine schnelle Bereitstellung von Energie nicht zur Verfügung.
Ursache ist das genetisch bedingte Fehlen des Enzyms Myophosphorylase.
Dadurch leiden die Betroffenen unter einer muskulären Belastungsintoleranz bis
hin zu akuten Krisen mit schmerzhafter Steifigkeit und evtl. sogar Zerfall von
Muskelfasern, so genannten Rhabdomyolysen. Während die Patienten bereits in den
ersten Minuten der Belastung durch die Beschwerden gebremst werden können, kann
nach ca. 10 Minuten vorübergehend verminderter Belastung die Aktivität wieder
deutlich erhöht werden, ohne dass die schmerzhafte Steifigkeit wieder auftritt.
Dieses Phänomen stellt eine Besonderheit der McArdle-Erkrankung dar, den
sogenannten „second wind“. Im Folgenden soll die Erkrankung etwas genauer
dargestellt werden.
McArdle-Erkrankung - Historisches und Häufigkeit
Im Jahre 1951 beschrieb der britische Arzt Brian McArdle einen 30-Jährigen mit
Schmerzen, Schwäche und Steifigkeit der betroffenen Muskeln, einschließlich der
Kaumuskulatur, nach fast allen Formen körperlicher Belastung. Im Rahmen der
ausführlichen Diagnostik erfolgte auch eine Untersuchung des Laktats im Serum.
Dabei stellte McArdle bereits das Fehlen des Laktatanstiegs bei Belastung fest.
Er nahm aus diesem Grund eine Störung des Glykogenstoffwechsels an. Im Jahre
1959 identifizierten Schmid und Mahler schließlich das Fehlen der
Myophosphorylase-Aktivität als Ursache der Erkrankung. Und C. M. Pearson
beschrieb das Phänomen des „second wind“ im Jahre 1961.
Mit einem Betroffenen von 100.000 Einwohnern ist die McArdle-Erkrankung äußerst
selten.
McArdle-Erkrankung - Symptomatik und Ursache
Die Erkrankung ist durch die genetisch bedingte Störung der Bildung der in der
Skelettmuskulatur befindlichen Glykogen-Phosphorylase bedingt, es liegt eine
Mutation des Myophosphorylase-Gens (PYGM) vor. Die Formen der
Glykogen-Phosphorylase, die im Herz und in der Leber vorkommen, sind dagegen
nicht betroffen. Die Erkrankung betrifft aus diesem Grunde primär nur die
Muskulatur und nicht Herz und Leber.
Glucose (Traubenzucker) wird in der Muskelfaser in Form von Glykogen
gespeichert. Durch das Enzym Myophosphorylase wird von dem Glykogenmolekül
wieder Glukose abgespalten, das dann in Energie über die sogenannte aerobe
Glykolyse umgewandelt wird. Dieser Abbau des Glykogens kann bei Fehlen des
Enzyms nicht mehr stattfinden. Glukose steht damit für eine rasche
Bereitstellung von Energie nicht zur Verfügung. Die Verwertung der vorhandenen
nicht als Glykogen gespeicherten Glukose in der Muskelfaser kann allerdings
erfolgen. Die Zufuhr von Glukose kurz vor geplanter Aktivität kann deshalb die
Belastbarkeit vorübergehend verbessern.
Durch das Defizit an Glukose kommt es zu einem Mangel an Pyruvat, das
normalerweise über den Abbau zu Acetyl-CoA im Zitronensäurezyklus zur
Energiegewinnung weiter abgebaut wird. In der Folge kommt es zu einer Anhäufung
von Phosphat und ADP im Muskel, was wiederum die myofibrilläre ATP-ase, die
Kalzium-Pumpe und die Natrium-Kalium-Pumpe hemmt. Hieraus kann eine Abnahme der
Membran-Erregbarkeit resultieren. Schließlich kann es durch die Anhäufung von
Kalium, Phosphat und ADP in der betroffenen Muskulatur zu einem Einstrom dieser
Substanzen in das Blut kommen, was wiederum die Stimulation sensibler
Nervenfasern im Muskel zur Folge hat. Dies kann möglicherweise eine Ursache für
die Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems mit Beschleunigung der Pulsfrequenz und
des Herzzeitvolumens schon bei eigentlich geringer Belastung sein.
Während statischer bzw. isometrischer Belastungen, z. B. dem Halten von
Gewichten, erhöht sich der Druck im Muskel, was wiederum eine Verminderung des
Zustroms glukose- und sauerstoffreichen Blutes nach sich zieht. Hierdurch wird
die Energieversorgung über den aeroben Stoffwechsel in der Muskelfaser weiter
beeinträchtigt.
In der Folge der geschilderten Stoffwechselprobleme kommt es zu einer
vorzeitigen Schwäche, zu Schmerzen und Verkrampfung sowie Steifigkeit der
beanspruchten Muskulatur. Die geschilderten Probleme können alle Muskelgruppen
betreffen, manchmal sogar die Kaumuskulatur.
Besonders charakteristisch für die McArdle-Erkrankung ist der sogenannte „second
wind“. Ca. 10 Minuten nach dem Beginn der Belastung mit resultierenden
Muskelschmerzen und Steifigkeit sowie erhöhter Pulsfrequenz verschwinden die
beschriebenen Beschwerden und die Belastbarkeit nimmt zu. Ursache ist die
Umstellung des Muskelstoffwechsels, die nachfolgend dargestellt werden soll.
Bei muskulärer
Belastung unter 10 Sekunden dominiert der Phosphatspeicher als Energielieferant
(ATP, Kreatin-Phosphat). In dem Bereich von 25 Sekunden bis zu zwei Minuten
dominiert dann die anaerobe Glykolyse, normalerweise nimmt in dieser Zeit der
aerobe Glykogenabbau bereits zu. Bei muskulärer Aktivität über zwei bis zehn
Minuten dominiert normalerweise der aerobe Glykogenabbau, über zehn Minuten
stellt die aerobe Energiegewinnung mit bevorzugter Nutzung von Glykogen die
Hauptenergiegewinnung dar, erst ab 45 bis 60 min übernimmt die Fettverbrennung
eine immer entscheidendere Rolle.
Auch bei McArdle-Patienten stehen für die ersten Sekunden der Tätigkeit
energiereiche Phosphate (ATP, Kreatinphosphat) im Muskel als Energielieferanten
zur Verfügung. Dann aber muss die Energie aus der in der Muskelfaser vorhandenen
freien Glukose und schließlich Glykogen bereitgestellt werden. Die Freisetzung
der Glukose aus Glykogen gelingt bei den McArdle-Patienten nicht. Im weiteren
Verlauf werden die Arterien der betroffenen Muskeln weiter gestellt, damit kann
Glukose vermehrt zu den Muskelfasern beigebracht werden, zudem erfolgt
Energiegewinnung zunehmend auch aus freien Fettsäuren, auch bei Patienten mit
der McArdle-Erkrankung. Damit sind die Patienten nach der Phase der muskulären
Schwäche, Verkrampfung und Schmerzen wieder leistungsfähiger. Die meisten
Patienten beschreiben das Phänomen dergestalt, dass sie nach einer kurzen Pause
wegen der Beschwerden die körperliche Belastung, z.B. das Gehen, wieder
aufnehmen können.
Wird trotz des Auftretens der Schmerzen und der Steifigkeit die Belastung ohne
Pause unvermindert fortgeführt, kann es zu einem Zerfall von Muskelfasern
kommen, der sogenannten Rhabdomyolyse. Dadurch gelangen u. a. Myoglobin,
Proteine und das Enzym Creatinkinase (CK) in das Blut. Myoglobin wird über die
Niere ausgeschieden und führt zu einer Dunkelfärbung des Urins. Das Myoglobin
und die Proteine können die Nieren verstopfen und zu einer meist vorübergehenden
Niereninsuffizienz führen, die unter Umständen sogar eine Dialyse notwendig
macht. Die CK-Werte können extrem hoch sein und Werte von mehreren Zehntausend
U/l erreichen.
Oft berichten Patienten, bereits zu wissen, dass sie über ein gewisses Maß der
Belastung nicht hinausgehen dürfen. Insbesondere isometrische Belastungen, wie
das Halten von Gewichten, aber auch dynamische Bewegungen, wie z.B.
Treppensteigen oder Laufen, können Überlastungen darstellen. Eine typische
Situation, in der aber das Wissen unter Umständen nicht weiterhilft, ist der Zug
oder die Straßenbahn, die zur Abfahrt bereit stehen und noch erreicht werden
müssen. Unwillkürlich geht der Betroffene schneller, überlastet die Muskeln, „es
ist ja nur eine kurze Strecke“. Er kommt vielleicht noch bis zur Tür, kann aber
nicht mehr einsteigen, die Muskeln verkrampfen. Liegt nur eine leichte
Überlastung vor, erholen sich die Muskeln bald. Ist die Überlastung ausgeprägt,
kann die Steifigkeit mehrere Stunden anhalten. Unter Umständen wird dann später
eine Braunfärbung des Urins festgestellt.
Auch ohne muskuläre Überlastungen werden bei Patienten mit der
McArdle-Erkrankung in der Regel erhöhte CK-Werte im Serum gemessen, bei ca. 50%
der Patienten mit Werten über 1000 U/l. Durch einen vermehrten Purinmetabolismus
werden auch typischerweise erhöhte Harnsäure-Werte festgestellt.
Die Symptomatik ist sehr variabel. Selbst innerhalb einer Familie ist die
Symptomatik unterschiedlich schwer ausgeprägt. Auch variiert der Beginn der
typischen Krankheitserscheinungen zwischen Kindheit und frühem Erwachsenenalter.
Meist können aber Patienten, bei denen im Erwachsenenalter die Diagnose gestellt
wird, über Muskelschmerzen und verminderte muskuläre Leistungsfähigkeit
rückblickend bereits im Schulalter berichten. Die unterschiedliche Ausprägung
mag zum Teil durch die unterschiedliche Ernährung, zum Teil durch die
unterschiedliche Aktivitäten und den Trainingszustand bedingt sein. Aber auch
das Geschlecht spielt eine Rolle, Frauen sind typischerweise schwerer betroffen
als Männer. Bei einem Drittel der Patienten wurden auch permanente Schwächen der
rumpfnahen Muskulatur beschrieben, ebenfalls vorzugsweise bei Frauen. Auch wurde
ein Zusammenhang schwererer Ausprägung der Erkrankung mit dem Vorhandensein der
D-Allele des ACE-Gens (Angiotensin 1- Converting Enzyme) festgestellt.
Der Verlauf der Erkrankung ist in der Regel gutartig, die Lebenserwartung ist
nicht reduziert. Auch ist in der Regel keine Pflegeabhängigkeit durch die
Erkrankung zu erwarten.
McArdle-Erkrankung - Diagnostik
Berichten Patienten von einer verminderten muskulären Belastbarkeit und vom
Auftreten von dunklem Urin nach vermehrter körperlicher Aktivität, über
Muskelschmerzen und –steifigkeit bei Belastung muss an die McArdle-Erkrankung
gedacht werden. Ein weiterer typischer Hinweis ist der deutlich erhöhte CK-Wert
im Serum. Wird vom Patienten noch das Phänomen des „second wind“ berichtet, ist
die Diagnose schon sehr wahrscheinlich.
Das Phänomen des „second wind“ wird nach J Vissing und RG Haller (2003) durch
einen 15minütigen Fahrradergometer-Test gezeigt: Mit niedriger konstanter
Belastung fällt die rasch hohe Herzfrequenz nach ca. 7 Minuten deutlich ab als
Hinweis auf den „second wind“.
Der klassische „ischämische Unterarm-Test“ wird heute nicht mehr durchgeführt.
Dabei wurde eine Blutdruckmanschette über den arteriellen Blutdruck aufgepumpt.
Dadurch wurde der Zustrom arteriellen Bluts unterbunden. Wurde dann die
Unterarm-Muskulatur belastet, trat eine Verkrampfung der Muskulatur auf, wurde
Laktat im venösen Blut untersucht. War kein Anstieg festzustellen.
Elektromyographisch war im verkrampften Muskulatur elektrische Stille
festzustellen, wie W. K. Engel 1963 erstmals beschrieb. Da es unter der
Testdurchführung zu einem sogenannten Kompartment-Syndrom kommen konnte, das ein
chirurgisches Eingreifen notwendig macht, ist der Test heute obsolet. Ohne
Unterbindung des arteriellen Blutstroms wird der Test auch heute durchgeführt,
ist aber nicht essentiell notwendig und nicht immer zuverlässig.
Zumeist wird eine Muskelbiopsie durchgeführt, eventuell kann eine Nadelbiopsie
ausreichend sein. Im Falle der McArdle-Erkrankung würden Glykogenmassen unter
der Muskelfasermembran und zwischen den Myofibrillen zur Darstellung kommen und
die fehlende Färbung der Myophosphorylase einen richtungsweisenden Befund
ergeben. Ist die Symptomatik sehr typisch kann evtl. gleich eine
molekulargenetische Testung angestrebt werden.
McArdle-Erkrankung - Genetik
Die Erkrankung wird autosomal rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass beide sich
entsprechende (allele) Gene einer Zelle verändert sein müssen, damit die
Erkrankung auftritt. Ist nur eines der Gene betroffen, sind die Personen in der
Regel gesund. Allerdings wurden auch Einzelfälle beschrieben, die dennoch
typische Symptome entwickelt haben, da die Myophosphorylase ungewöhnlich
niedrige Aktivität in der Muskelfaser von nur 20 bis 40% aufwies.
Durch den autosomal rezessiven Erbgang sind Kinder von Patienten mit
McArdle-Erkrankung in der Regel gesund. Sie sind aber Überträger des mutierten
Gens. Um individuelle Informationen bezüglich der Bedeutung in der
Familienplanung zu erhalten, empfehlen wir eine humangenetische Beratung.
Das Gen für die Myophosporylase wurde im Jahre 1984 auf dem Chromosom 11
beschrieben, inzwischen genauer auf 11q12-13.2 lokalisiert. Im Jahre 1993 wurden
die ersten Mutationen, die zur McArdle-Erkrankung führten, von Tsujino und
Mitarbeitern und Bartram und Mitarbeitern beschrieben. Wie im Verlauf gezeigt
wurde, kann die Mutation auf allen Exons des Gens auftreten. In der weißen
Bevölkerung wird die häufigste Mutation R50X benannt, festgestellt bei 31% bis
72% aller mutanten Allele. Sie stellt ein vorzeitiges Stopp-Kodon dar. Durch die
Mutation erkennt das ablesende Ribosom also ein „Stopp-Zeichen“ und stellt die
weitere Produktion des Enzyms ein, es wird dadurch ein verkürztes und nicht als
Enzym wirksames Protein hergestellt. Hieraus kann sich evtl. in den nächsten
Jahren ein therapeutischer Ansatz ergeben (s.u. bei Therapie, PTC124).
McArdle-Erkrankung - Therapie
Glukosezufuhr kurz vor der geplanten Belastung kann die Belastbarkeit von
McArdle-Patienten verbessern. Zuckerreiche Getränke beispielsweise eignen sich
hierfür. Problem ist aber, dass Belastungen des Alltags oft überraschend und
nicht planbar auftreten, z. B. in dem oben geschilderten Fall der zur Abfahrt
bereitstehenden Straßenbahn. Andererseits birgt die ständige Zufuhr von Zucker
eine erhebliche Gefahr der Gewichtszunahme in sich. Demgegenüber kann bei länger
zurückliegenden Mahlzeiten oder während einer Diät zur Gewichtsabnahme ein
relativ niedriger Glukosespiegel im Blut vorliegen und dadurch die Belastbarkeit
geringer sein als nach einer Mahlzeit.
Einen Ersatz des mutierten Myophosphorylase-Gens in die Muskelfaser zu bringen,
ist heute nicht möglich, obwohl es entsprechend Forschungsansätze gibt. Dagegen
wird ein therapeutischer Ansatz im Falle einer vorzeitigen Beendigung des
Ablesens des Gens aufgrund eines vorzeitigen Stopp-Kodons bereits bei anderen
Erkrankungen beim Menschen untersucht. PTC steht für „premature termination
codon“, also für ein Kodon, eine Gensequenz, die ein vorzeitiges Beenden des
Ablesens bedingt. Die Substanz PTC124 soll dem Ribosom ermöglichen, über das
vorzeitige Stopp-Zeichen hinweg zu lesen. Im Bereich der Muskelkrankheiten
konnte bei Patienten mit der Muskeldystrophie Duchenne bereits bei Injektion in
einen Muskel einerseits die Verträglichkeit, andererseits eine Wirksamkeit
nachgewiesen werden. Hier sind noch weitere Untersuchungen nötig, ob und ggfs.
wann die Substanz zum Einsatz kommen kann, ist noch nicht abzusehen.
Durch Gabe von Kreatin in niedriger Dosierung (60 mg/kg Körpergewicht pro Tag)
kann die muskuläre Belastbarkeit erhöht und das Auftreten von
belastungsabhängigen Muskelschmerzen reduziert werden, wie M. Vorgerd und
Mitarbeiter in einer Arbeit im Jahre 2000 zeigten. Höhere Dosen von 150 mg/kg
Körpergewicht/Tag) schienen aber die Schmerzsymptomatik zu verstärkten.
Bei allen muskulären Belastungen sollte beachtet werden, dass mit geringer
Anstrengung begonnen wird und das Training nur langsam intensiviert wird. Dabei
sollte das Training mit einem erfahrenen Arzt und Therapeuten besprochen und
geleitet werden, um Überlastungen zu vermeiden. Durch ein adäquates Training
nehmen die Zahl der Mitochondrien und, in diesem Fall besonders wichtig, die
Zahl der kleinen Blutgefäße im Muskel zu, so dass die Versorgung auch mit
Glukose bei Belastung verbessert wird. Empfohlen werden geringe bis moderate
dynamische Belastungen im Sinne eines Ausdauertrainings. Dagegen sollten
anstrengende Belastungen, statische Belastungen, als Extrembeispiel
Gewichtheben, vermieden werden. Auch dynamische Belastungen im anstrengenden
Bereich sollten vermieden werden. Das gleiche gilt für exzentrische Tätigkeiten,
hierzu gehört beispielsweise das Abfangen von Sprüngen, wie beim alpinen
Skifahren.
Patienten können den Effekt des „second wind“ erlernen und zur Verbesserung
ihrer Belastbarkeit und Ausdauer, auch zur Verbesserung der
Herz-Kreislauf-Funktionen nutzen. In Oswestry in der Nähe von Birmingham, gibt
es eine zentrale Spezialsprechstunde für englische Patienten mit der
McArdle-Erkrankung
(http://www.agsd.org.uk/tabid/1152/default.aspx,
http://www.rjah.nhs.uk/).
Dort wurde auch ein spezielles Training erarbeitet. Vermittelt durch N.
Eckelmann, Kontaktperson für Patienten mit der McArdle-Erkrankung für die
Selbsthilfegruppe Glykogenose Deutschland e. V.
(www.glykogenose.de)
war Dr. John Buckley eigens aus England angereist, um das Training im November
2009 in unserer Klinik zu demonstrieren und Patienten und Therapeuten in die
spezifische Behandlung einzuweisen.
Ziel des Trainings ist es, die Belastung so zu wählen, dass der Patient sich
nicht überlastet bis der „second wind“ einsetzt. Mit einem Laufband-Training
wurde das Vorgehen erläutert. Im Kern hat das Training folgenden Inhalt: Tritt
der Schmerz unter der gewählten leichten Belastung auf oder nimmt die
Herzfrequenz über ein bestimmtes Maß zu, wird der Patient aufgefordert,
langsamer zu gehen oder auch stehen zu bleiben, bis sich der Schmerz zurück
gebildet hat. Dann kann wieder mit dem Training begonnen werden. Schließlich
nimmt die Belastbarkeit mit dem „second wind“ zu. Durch regelmäßiges Training
ist die physische Belastbarkeit deutlich zu verbessern.
Sollte eine Rot-Braun-Färbung oder gar eine Dunkelfärbung des Urins auftreten,
würde dies auf eine Muskelschädigung hinweisen. Dann sollte dringend ein Arzt
aufgesucht werden. Der Patient sollte überwacht und die Niere mit viel
Flüssigkeit gut durchgespült werden. Ggfs. kann eine Dialyse notwendig werden.
Wird eine Narkose notwendig, muss der Anästhesist auf das Vorliegen der
McArdle-Erkrankung hingewiesen werden. Er wird bestimmte Narkosemedikamente
vermeiden, wenn auch das Risiko von Problemen unter der Operation gering zu sein
scheint. Operationen unter Blutleere sollten ebenfalls vermieden werden.
Statine sind eine Medikamentengruppe, die üblicherweise als Cholesterinsenker
eingesetzt werden. Bei der McArdle-Erkrankung können diese Medikamente zu einer
Rhabdomyolyse, also zu einer Muskelschädigung führen, so dass diese Patienten,
wenn die Verordnung eines solchen Medikamentes notwendig ist, besonderer
Beachtung bedürfen.
McArdle-Erkrankung -
Stationäre Behandlungsmaßnahmen (Rehabilitation)
Bei
der McArdle-Erkrankung handelt es sich um eine Störung, die sehr selten ist.
Dadurch haben nur wenige Ärzte und Physiotherapeuten Erfahrung mit dem Umgang
mit der Erkrankung. Um ein entsprechendes Trainingsprogramm zu erlernen, ist
eine stationäre Behandlung in einer spezialisierten Rehabilitationsklinik zu
empfehlen. Je nach Verlauf kann es auch sinnvoll sein, eine stationäre
Rehabilitation vorzeitig zu wiederholen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn
sich trotz des eigenen Trainings keine ausreichende Stabilisierung der
Leistungsfähigkeit erreichen lässt. Auch kann die Krankheitsverarbeitung
erschwert sein, hier sind ein Nebeneinander der Physiotherapie und
psychologischer Betreuung notwendig. Oder die Erwerbsfähigkeit ist durch die
Erkrankung gefährdet. In diesen Fällen kann durch eine stationäre
Behandlungsmaßnahme unter Umständen geklärt werden, welche Hilfsmittel oder
welches Vorgehen die Aufrechterhaltung der Erwerbsfähigkeit möglich machen.
Mit
einem entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen
wenden Sie sich an den zuständigen Kostenträger. Für Berufstätige ist der
zuständige Kostenträger die Deutsche Rentenversicherung. Geht es bei der
Reha-Maßnahme nicht um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit, ist in der Regel die
Krankenkasse anzusprechen.
Die
Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner
hat im letzten Jahrzehnt konsequent den Schwerpunkt der Behandlung
neuromuskulärer Krankheiten aufgebaut. Unser Behandlungsprogramm umfasst je nach
den individuellen Erfordernissen unter anderem die Bereiche Krankengymnastik,
Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Wärmetherapie und Massage. Wichtiger
Bestandteil ist auch die spezielle Gesprächsrunde für Patienten mit
neuromuskulären Erkrankungen. Austausch über den Umgang mit den Erkrankungen und
Krankheitsverarbeitung sind wichtige Inhalte der Gesprächsrunde. Vierzehntägig
findet ein spezielles ärztlich geleitetes Seminar statt, in dem unter anderem
aktuelle Informationen über Therapien berichtet werden, die sich in der
wissenschaftlichen Entwicklung befinden oder aktuell diskutiert werden.
Hier besteht neben dem Einzelgespräch die Möglichkeit, viele Fragen über die
jeweiligen Erkrankungen beantwortet zu bekommen.
Die Ausführungen
wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler
oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen
werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind
vorgesehen.
Mit den besten Wünschen,
insbesondere für Ihre Gesundheit
von Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt der
Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied des Arbeitskreises Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie der
Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke
Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
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Aktualisiert:
Juni 2010
Weitere
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Wicker-Gruppe unter
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